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Was man zur Corona-Impfung wissen sollte

Stand 20. Januar 2021. Wir aktualisieren diese Seite regelmäßig!
1. Ist ein Impfstoff mit einer mRNA-Substanz wirklich so komplett neu?

Ja. Aber: Seit dreißig Jahren wird hier geforscht und weiterentwickelt. Die Covid-Impfstoffe sind zwar neu, aber genetische Wirkmechanismen werden bereits sehr erfolgreich z. B. in der Krebstherapie eingesetzt. Bei den Covid-Impfstoffen von Biontech oder Moderna, die jetzt zugelassen sind in der EU, werden im Gegensatz zu traditionellen Impfstoffen nur ein Bruchstück geimpft, also keine ganze Erbinformation und schon gar kein Lebend-Impfstoff, wie z. B. Bei Masern üblich.

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2. Wie wirkt der mRNA-Impfstoff eigentlich?

Man schleust ein Protein in die Zelle und bewegt diese, dieses Protein im Plasma herzustellen. Im Falle der Covid-Impfstoffe nutzt man das Andockeiweiß, mit dem Sars-COV-2 an die Zelle andockt. Man nennt es Spike-Protein. Also nur ein ganz kleiner Teil der Virusinformation, und davon sogar nur die mRNA, also KEINE vollständige Information und erst recht keine DNA. mRNA steht für Messenger-RNA. RNA steht für Ribonukleinsäure, das ist ein Stück einer Erbinformation. DNA ist doppelsträngig, RNA immer nur einzelsträngig.

Es ist im Fall der Corona-Impfstoffe NICHT möglich, aus der mRNA DNA zu machen. Auch dringt das mRNA nicht in den Zellkern ein; es wird außerhalb des Zellkerns im Zellplasma repliziert und als „Immunogen“ im Körper, also in der Blutbahn freigesetzt.  Dann kommt es zur Immunantwort durch die Immunzellen (T-Helferzellen). Zwei Prozesse setzen ein: 1. Die Immunogene werden eingefangen und unschädlich gemacht, 2. „Gedächtnis“-Zellen des Immunsystems merken sich die Immunantwort.

3. Aber es gibt doch Viren, die DNA herstellen können…

Ja, das stimmt. Das sind die Retroviren, also das bekannte HIV oder Hepatitis B und C. Sie nutzen dafür aber einen Botenstoff, die reverse Transkriptase, und bilden dann aus einer RNA eine DNA. Diese dringt tatsächlich auch in den Zellkern ein und verändert die dortige DNA, sodass sie noch mehr Viren produziert. Dieses Prinzip „kann“ aber Corona nicht, noch nicht mal das ganze Virus, und erst recht nicht das Spike-Protein.

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4. Welche Langzeitfolgen der Impfung sind zu erwarten?

Wenn die Impfung gut vertragen wurde: mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit gar keine. Denn die Immunantwort ist vollständig erforscht. Es gibt schlicht keinen weiteren Prozess „danach“, also nachdem die mRNA den Körper wieder verlassen hat. Und das geschieht sehr schnell. Das ist nicht anders als bei einer Immunantwort auf ein beliebiges Schnupfenvirus. Da wird das Virus dann mit viel Wasser und zerstörten Schleimhautzellen wieder ausgeschieden - und landet im Taschentuch. 

5. Was weiß man über die Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen belaufen sich in einer überwältigenden Zahl auf die klassische Impfreaktion, also Schwellung der Einstichstelle, Druckschmerzen, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen am Tag nach der Impfung, überwiegend bei älteren Patienten ggf. leichtes Fieber. Es ist festgestellt worden, dass diese Impfreaktionen bei der Corona-Impfung z. T. stärker ausfallen als bei einer "gewöhnlichen" Impfung. Aber all das sind aber gute Zeichen, wie Eltern meist wissen: Sie zeigen, dass das Immunsystem den „Eindringling“ erkannt hat und die Immunantwort entwickelt, überwiegend genau an der Einstichstelle, aber systemisch dann für den ganzen Körper. Klarerweise muss man beobachten, was nun mit den ersten großen Anwendungen noch zutage tritt, aber inzwischen gibt es 1.200.000 Menschen, die ihre erste Dosis bereits erhalten haben - und ihnen geht es gut. Fast 25.000 sind bereits zweifach geimpft.

Corona Impfung Nebenwirkung

6. Und was ist mit Allergien?

Allergische Reaktionen treten tatsächlich vereinzelt auf, auch bei Personen, die bisher keine Allergien hatten. Insgesamt wurden im Falle des Biotech-Wirkstoffs 44.000 Probanden (auch Hochbetagte und Risikogruppen, alle außer Kinder und Schwangere) in einer „verblindeten“ 1-1 Studie untersucht. Das heißt, die Hälfte bekam den Wirkstoff, die andere Hälfte Kochsalzlösung. Insgesamt zeigten 0,63 Prozent der Probanden mit „echter“ Impfung offenbar allergische Reaktionen, aber eben auch 0,51 Prozent der Placebo-Gruppe. Die Reaktion geht hin bis zum anaphylaktischen Schock. Diese Reaktion gibt es aber immer schon bei Medikamenten und Impfungen, genauso wie bei Insektengiften und Nahrungsmitteln. Sie lässt sich medizinisch mit einem u.a. aus einer Adrenalin-Injektion bestehenden Notfallset meist sehr gut auffangen. Sie ist und bleibt selten bei Impfungen:  Laut der Vaccine Safety Datalink Datenbank waren bei 25.173.965 Impfdosen nur 33 Patienten betroffen. Also: Selbst wenn der unwahrscheinliche Fall einer schweren allergischen Reaktion eintreten sollte, wird der Arzt angemessen reagieren können. Darum steht man ja nach der Impfung noch eine Weile unter Beobachtung.

7. Was nützt mir eine Impfung?

Nun: Erstmal schützt du dich (und hoffentlich auch andere) vor einer lebensgefährlichen Erkrankung! Das ist eigentlich schon ziemlich ausreichend, um sich zu motivieren – gerade dann, wenn du im medizinisch-pflegerischen Bereich tätig bist und damit ein hohes Risiko besteht, dass du dich ansteckst. Absehbar ist, dass du weniger oft abgestrichen werden musst. Das weiß man aber leider noch nicht genau, denn man weiß einfach noch zu wenig über geimpfte „stille“ Überträger.  Als sicher darf aber gelten, dass du eine Infektion mit Sars-Cov-2 vermeidest und keinen schweren Verlauf mehr erleidest.

Was ist eigentlich diese "Phase drei"?

Um einen Impfstoff (oder überhaupt ein Medikament) zu entwickeln, braucht es eine Testphase. Jeder neue Wirkstoff wird zunächst im Tierversuch erprobt. Nachdem ein Wirkstoff sich als wirksam erwiesen hat, wird er verschiedenen Kommissionen zur Beurteilung vorgestellt, vor allem der Arzneimittelbehörde und der Ethik-Kommission. Wenn die grünes Licht geben, schließt sich eine Erprobung mit Kleingruppen von 10-40 Menschen an: Das ist die Phase eins. In Phase zwei machen dann schon 50-500 Menschen mit, und dann kommt die vielzitierte Phase drei. Mehrere zehntausend Menschen verschiedener Altersgruppen nehmen freiwillig teil, im Falle der Covid-19-Impfstoffs von Biontech waren das über 44.000. Moderna testete an ca. 30.000 Personen. Diese Phase Drei - Proband*innen werden geteilt und erhalten dann entweder Wirkstoff oder Placebo. Während der Erprobung werden sie medizinisch begleitet. Teilnehmen können prinzipiell Erwachsene, außer akut Kranke, bereits schwer vorbelastete oder schwerst vorerkrankte Personen (z. B. Immunsupprimierte oder unter einer Chemotherapie-Patienten). Hier ist es ethisch nicht vertretbar und außerdem würde u. U. auch deren Immunsystem nicht wirklich auf eine Impfung ansprechen. Auch Kinder und Schwangere sind von der Testphase ausgeschlossen. Bei der Sars-COV-2-Impfstoff-Erprobung wurde versucht, verstärkt ältere Menschen in die Phase drei mit einzubeziehen. Zum einen werden sie häufiger schwer krank, zum anderen ist ihr Immunsystem nicht mehr so fit wie das von Jüngeren. Drittens hat man es hier auch häufiger mit Vorerkrankten zu tun.