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Biografiearbeit in der Pflege

Wenn das Leben zu seinem größten Teil bereits vorbei ist, kann es für den einzelnen Menschen etwas Beruhigendes sein, sich zu erinnern und die Vergangenheit neu zu bewerten. Wenn die Erinnerungen krankheitsbedingt vergehen, ist das für den Einzelnen besonders schmerzhaft. Der Mensch fühlt sich dann unvollständig und gleitet oft in eine Depression ab. Biografiearbeit bietet wie fast alle Therapien nicht die Lösung, aber sie kann helfen. Biografiearbeit ist ein wichtiges Instrument in der Altenpflege, hat aber auch Grenzen.

Definition Biografiearbeit:

Biografiearbeit ist die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte eines Menschen. Sie beinhaltet die Felder der Sozialarbeit und der Psychologie. In der Pflege trägt sie zu einem besseren Verständnis und somit zu einer individuelleren Pflege des Menschen bei.

Kunden kennen lernen
Warum ist Biografiearbeit wichtig?

In der Altenpflege ist Biografiearbeit ein Verfahren der aktivierenden Pflege und sorgt dafür, individuell auf die Bedürfnisse der KundInnen einzugehen. Besonders demente Menschen können manchmal Bedürfnisse nicht mehr eindeutig äußern. Kenntnisse über die Biografie können helfen, Signale besser zu verstehen. Da sich die Pflege dahingehend verändert hat, dass sie heute nicht mehr so stark defizitär, sondern aktivierend ausgerichtet ist, kann Biografiearbeit zudem einen Schlüssel zu noch vorhandenen Fähigkeiten sein. Diese sollen dann möglichst bewusst gefördert werden. Dementen Menschen kann die Biografiearbeit auch helfen, ihre Identität länger zu bewahren.

Balanceakt zwischen Dokumentation und Diskretion

Die Pflegekraft sammelt kontinuierlich Informationen  - nicht nur über den physischen, sondern auch über den psychischen Zustand der KundInnen. Biografiearbeit ist hierbei sehr wichtig. Bei einer voranschreitenden Demenz können die erfragten Erkenntnisse später nicht mehr gewonnen werden. Biografische Informationen können auf unterschiedlichen Wegen gesammelt werden: Zum einen hört die Pflegekraft aufmerksam zu. Das schließt auch beiläufige Äußerungen ein, da diese gelegentlich wesentliche Einstellungen der KundInnen offenbaren. Zweitens geht die Pflegekraft auch auf Angehörige zu. Sie sind in der Lage, Auskunft über die Familienverhältnisse, Beruf und Begabungen, Angewohnheiten und bedeutende Ereignisse zu geben. 

Drittens kommen auch Hilfsquellen wie Fotoalben, Schriftstücke etc. zum Einsatz. Aktiv ins Gespräch verwickelte Menschen werden auch trotz leichter Demenz Ereignisse aus der Gegenwart abspeichern und morgen noch erinnern. Die Biografiearbeit wird immer alle drei Zeitdimensionen einbeziehen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie sind alle drei von großer Bedeutung, da sie sich gegenseitig beeinflussen. Sich nicht ausschließlich auf das Gestern zu konzentrieren, sondern auch das Heute und Morgen vor Augen zu behalten, kann helfen, positiv vorwärts zu planen. So vermeidet man anstrengende Wiederholungen und fügt neue Geschichten zur Sammlung der Lieblingsanekdoten hinzu. 

Abwechslung - Eigene Gedichte
Methoden der Biografiearbeit
  1. In der biografischen Gruppenarbeit werden Fragen gestellt, Stichworte gegeben, Gegenstände aus älterer Zeit herumgegeben oder auch Bilder angeschaut.
  2. Einzelgespräche zu ganz individuellen Ereignissen aus z. B. Familienleben oder der Schulzeit vertiefen die Erinnerungen.
  3. Die aktivitätsorientierte Biografiearbeit umfasst aktive Tätigkeiten. Beispiele sind unter anderem das Erstellen von Erinnerungsecken, Basteln, Singen. Zudem können generell vertraute Gegenstände gut sichtbar platziert werden, um Erinnerungen zu wecken und wach zu halten.
  4. Eine besonders bedeutende Methode der Erfassung von biografischen Informationen ist die biografisch-narrative Gesprächsführung (narratives Interview).

Biografiearbeit hilft aus der Sicht der Pflegenden:

 

  • den Kunden als Individuum zu sehen
  • ihn zu verstehen und somit auch Verhaltensweisen nachvollziehen zu können
  • Erinnerungen zu stimulieren
  • ein besseres Verhältnis zu den KundInnen und auch zu deren Angehörigen aufzubauen
  • Außerdem kann Biografiearbeit einen Einfluss auf die Planung und Ausführung von Pflege haben. 

Aus Sicht der KundInnen trägt sie dazu bei:

 

  • ein engeres Verhältnis zu den Pflegenden aufzubauen („companionship“ – Kameradschaft)
  • vielfältige soziale/gesellige Anlässe zu schaffen
  • das Verhältnis zwischen KundInnen und ihren Angehörigen zu stärken
  • sich an gute alte Zeiten zu erinnern
  • eine neue Perspektive für das Leben zu sehen
Familien kennen lernen
Grenzen der Biografiearbeit

Allerdings kann hieraus nicht abgeleitet werden, dass es sich bei der Biografiearbeit um eine überall und immer anwendbare Methode handelt. Studien haben ebenfalls gezeigt, dass Biografiearbeit nicht bei allen KundInnen geeignet ist. So zeigte sich, dass es für einige mit großem Stress verbunden war, über ihre Vergangenheit zu sprechen. Manchen fiel es sehr schwer, an negative Ereignisse erinnert zu werden und mit diesen umzugehen. Hier würde die Biografiearbeit in eine Therapie ausarten, die nicht von Pflegenden durchgeführt werden kann.

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